Herz Basel – Das Herz am rechten Fleck

Herz Basel – Das Herz am rechten Fleck

Bar-Stadt Basel! Schon mal davon gehört? Die Stadt bietet eine Auswahl an ausgezeichneten Bars, von klassisch hin zu Hotelbars, Tikibars und Weinlokalen. Mittlerweile wohne ich näher an dieser schönen Stadt und ich habe im September 2020 einem kleinen Ausflug über die Grenze zur neuesten Eröffnung gewagt und die hat mich getroffen, mitten ins Herz. 

Ein kurzer Fußweg vom Badischen Bahnhof Basel über das Messegelände und schon findet man sich im Herzen Kleinbasels. Die Clarastraße ist gesäumt von trendigen Cafés, Bars und Restaurants. In der Nummer 11, einem alten Stadthaus, erbaut in den Jahren 1894-96, findet ihr hinter einer verglasten Ladenfront das Herz.

Kreative Köpfe mit viel Herzblut. Martin Bornemann und Norbu Tsering haben das Herz am rechten Fleck.

Nach mehr als fünf Jahren gemeinsamen Wirkens als Mitgestalter der Bar im Werk 8 haben Martin Bornemann und Norbu Tsering ihre eigene Bar eröffnet. Ihre Rezeptur: Gastgeber mit Herzblut, gute und nachhaltige Drinks, nicht zu dogmatisch und szenig, abgerundet mit einer Brennerei im Hinterhof. Unschlagbarer Standortvorteil und eine klassische Win-Win Strategie. Die Idee ist so naheliegend wie genial. Eine Bar, die an eine Brennerei angeschlossen ist, in der Premium-Spirituosen aus lokalen Zutaten direkt zu den Getränken handgefertigt werden. Von der Brennblase ins Glas.

Ein herzlicher Empfang und außergewöhnliche Getränke in einer gemütlichen und jahrhundertealten Atmosphäre erwarten euch im Herz. 

Hereinspaziert und erst einmal durch den lang gezogenen Innenraum mit den freigelegten Bruchsteinen der alten Stadtmauer aus dem Dreißigjährigen Krieg. Die Einrichtung ist auf Anhieb zu verstehen: Sandstein gepaart mit warmen Holztönen. Am Kopfende der Räumlichkeit befindet sich die Bar, üppig bestückt mit bekannten und lokalen Spirituosen. Des Weiteren bietet ein separaten Raum Platz für größere Veranstaltungen und Workshops. Wer eine Sitzgelegenheit an der Sonne bevorzugt, platziert sich auf der Terrasse und genießt den Ausblick auf das lebendige Clara Quartier.

Begleitet mich auf eine Reise durch die Region, die sich glasklar in der Getränkekarte widerspiegelt. 

Die Getränkeauswahl setzt auf Qualität nicht Quantität. Wein- und Bierfreunde werden bei dem kleinen und feinen Sortiment fündig. Wer etwas zur Stärkung braucht, der kann sich an den Knabbereien und herzhaften Kleinigkeiten des La Fourchette aus der Nachbarschaft laben. Die saisonal wechselnde Barkarte überrascht damit, was Jahreszeit und Umgebung zu bieten hat. Martin und Norbu durchstreifen die Wiesen und Wälder, um Zutaten für die Drinks zu sammeln. Der Alkohol kommt aus der Hausbrennerei im Hinterhof. Die Karte ist geprägt von Lokalität, Craft Spirits und klassischen Kreationen. Das Eis ist kristallklar.

Jäger & Sammler – zurück zu den Wurzeln. Das Herz bereichert das Trinkerlebnis durch Regionalität und Saisonalität.

Der Negroni hat in den letzten Jahren einen regelrechten Kultstatus erlangt. Er basiert auf einer Formel, die zu gleichen Teilen aus Gin, süßem Wermut und Campari besteht. Mittlerweile gibt es eine schier endlose Anzahl an Variationen. Der traditionelle Campari lässt sich hervorragend gegen einen anderen Bitter austauschen und auch die restlichen Zutaten laden zu Spielereien ein. Im Herz werden gleich drei Negroni Varianten angeboten. Liebevoll pre-bottled und beschriftet ist das der perfekte Auftakt für den Abend. Bestellt werden kann der Negroni in zwei Portionsgrößen. Ein schönes Detail, was man viel zu selten auf Barkarten findet. So kann man alle drei Varianten probieren, ohne gleich vom Barhocker zu kippen.

Ich entschied mich für einen kleinen “Negroni Herz”. Es vereinen sich hier sehr aromatisch der Gift London Dry Gin aus der Stadtbrennerei, Matter Vermouth Rosso Formula O. und Select Aperitivo. Es folgte zwei oder drei weitere saisonale Drinks. Der krönende Abschluss meiner Reise durch die Barkarte bildete ein exzellenter Vieux Carré. Einer meiner Lieblingscocktails und perfekt zubereitet von Martin Bornemann.

Besucht Herz Basel im Internet. Herz auf Insta. Ein Übernachtungs Tipp https://www.silobasel.com/

Von der Brennerei an die Bar, der Weg ins Glas ist kurz – Die Stadtbrennerei im Hinterhof 

Es sind die Erlebnisse, die meine Bar-Abenteuer unvergessen und besonders machen. Und so war auch dieser Besuch in Basel. Die im Hinterhof gelegene Stadtbrennerei wird von den Brüdern Tobias und David Buser geführt. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre einer privaten Führung und Verkostung durch das komplette Portfolio von Tobias Buser selbst zu erfahren. 

Die Brennerei befindet sich in einem Gebäude, welches im 19. Jahrhundert als Kutschenremise dient, umgeben von den Resten der alten Stadtmauer, wie sie auch im Innern der Herz Bar freigelegt wurde. 2017 wandelten die Busers das historische Häuschen in ihre Brennerei und Kelterei um. Tatsächlich habe ich noch nicht so viele Brennereien besucht und eine mitten im Wohngebiet noch nie. Gebrannt wird mit dem Holz der Region und der Rauch muss erst durch eine Feinstaubfilter bevor er malerisch in den Stadthimmel aufsteigt. Das Herzstück der Stadtbrennerei ist die kupferne Brennblase, die ich aus der Bar bereits bewundern konnte. 

Spirituosen und Schaumwein – Liebevoll lokal hergestellt mit unverwechselbarem Charakter.

Wie schon die Karte im Herz zeichnet sich die Stadtbrennerei durch ein kleines und feines Produktportfolio aus. Der “GIFT London Dry Gin” findet sich in den Getränken der Bar wieder und die Flasche sticht sofort ins Auge. Was auf dem Etikett drauf steht, ist auch drin. Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit Botanicals, wie sie  ausschließlich nördlich der Alpen vorkommen. Das besondere beim “The Seventh Sense Doppelwacholder” ist, dass er nur aus einem einzigen Botanical besteht, nämlich Wacholder. Weiterhin habe ich den Kornbrand “Packs Wodka” und den Weizenbrand “Der Saemann” probiert, beide sehr mild. Der Schweizer Absinth mit 75 % vol. basiert auf Wermut, Anis, Fenchel und Angelikasamen. Sehr puristisch und kraftvoll. 

Mein absolutes geschmackliches Highlight war der Mohngeist, der sofort Kindheitserinnerungen an meine Großmutter weckte. Wie ein Biss in einen dicken saftigen Mohnkuchen. Der Mohngeist wurde für das Restaurant Afghan Anan in Zürich kreiert und findet sich auch in dem einen oder anderen Drink in der Herz Bar. Ich war so begeistert, dass mir Tobias eine große Flasche zum Abschied geschenkt hat. Was man auch auf keinen Fall verpassen darf ist der Schaumwein. Tobias ist gelernter Winzer und so lag die Herstellung eines Schweizer Schaumwein in kompletter Handarbeit nahe.  

Vielen Dank an das Herz und die Stadtbrennerei für dieses ausgiebige und lehrreiche Abenteuer. Wer mehr zur Stadtbrennerei erfahren möchte: https://stadtbrennerei.ch/ | Stadtbrennerei auf FB

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